Als Kapstadt mich rief

Als Kapstadt mich rief

Es war im Januar 2017, als Kapstadt mich rief. Ich half meinem Bruder dabei, seinen Haushalt aufzulösen. Er hatte sich kurz zuvor den Fuß durch einen ‚Ausrutscher‘ gebrochen und war etwas gehandicapt. Er war dabei, sich von all den Dingen zu trennen, die er für sein neues Leben nicht mehr für erforderlich hielt, um ein neues Leben auf Bali anzufangen…
Inspiriert und ausgelöst durch den frühen Tod seines Schwagers Marc, meines geliebten Mannes.
Ich bewunderte meinen Bruder sehr für diese Wahl, lies er doch seine damalige Lebensgefährtin und seine beiden bei der Mutter lebenden Kinder zurück, die er fortan nicht mehr regelmäßig sehen konnte. Er gab Freunde und Familie und materielle Werte auf, übergab seine gegründete Firma an einen Geschäftsführer und flog mit nur einem größeren und einem etwas kleinerem Rucksack in seine neue Wahlheimat Bali.
Ich fand es so mutig und erstaunlich, wie man solch eine Wahl treffen konnte. Man muss dazu sagen, mein Bruder zog schon sehr früh aus unserem Elternhaus aus und reiste nach dem Abi nach Australien und nach seinem Studium um die ganze Welt. Er war neugierig und liebt es schon immer, Neues zu entdecken.
Ich dagegen war mir schon bei der Wahl meines Ausbildungsplatzes klar, dass ich mein Elternhaus NIEMALS verlassen würde! NIEMALS…!
Ganz nebenbei erzählte mir mein Bruder, dass er, sobald er wieder gut laufen könne, anfangen wolle zu trainieren. Er hatte mit knapp 50 Jahren die Leidenschaft für’s Laufen entdeckt und war schon einige Halbmarathons und Marathons gelaufen. Er wolle sich für den Ultramarathon in Kapstadt in Südafrika qualifizieren, den sogenannten ‚Two-Oceans-Marathon‘ über 56 km, der im April 2018 sein würde.
Aus mir schoss es sofort raus: ‚Wenn du das schaffst, dann begleite ich dich zum Anfeuern!‘, ohne mir darüber klar zu sein, was es für Folgen haben würde…

Das Jahr verging bis Kapstadt mich rief

Mein Bruder hatte mehr oder weniger große Trainingserfolge, da der Fuß nicht so heilte, wie erwünscht und die Belastungsgrenze noch niedrig war. Ich glaubte nicht mehr daran, dass sich mein Bruder für den Ultramarathon und Südafrika qualifizieren würde. Dennoch stand er irgendwann in im April 2018, kurz vor seinem Abflug nach Südafrika vor mir und fragte mich, wie es denn nun wäre, und ob ich ihn nun begleiten würde auf seiner Reise…
Auf meine Frage, wann er den fliegen würde antwortete er mir: Kommenden Dienstag!

Als Kapstadt mich rief…

Ok, das waren noch genau 5 Tage…!
Ich druckste herum, telefonierte mit meiner Freundin Ute und meiner Tochter Carolin, die mir aufgrund meiner Ausreden und Geschichten, die ich mir erzählte einen gehörigen Einlauf verpassten… ‚Du hast doch Zeit, den ganzen Winter jammerst du schon, dass du im Warmen sein willst, du musst dir nicht mal Urlaub nehmen… mach das jetzt doch endlich, dann musst du wenigstens nicht alleine fliegen!‘
Ja, das waren super Argumente, die ich nicht widerlegen konnte! Ich war sehr dankbar für die klaren Worte und buchte noch am selben Tag den gleichen Flug Frankfurt-Kapstadt, Abflug 21.55 Uhr, Ankunft 10.55 Uhr!
Kapstadt hatte mich gerufen!
Was ich danach erlebte, … das werde ich euch gerne erzählen!
Die Reise geht los! Ich bin aufgeregt, da ich mich ja gerade aus meiner sehr gemütlichen Komfortzone heraus bewege und etwas tue, was ich bis dahin erst einmal erlebt hatte, nämlich einen Langstreckenflug! Ich mochte es einfach nicht für so lange Zeit auf meinem Hintern zu sitzen und mich kaum bewegen zu können… Dabei bin ich klein und passe gut in den Sitz und wundere mich eigentlich nur immer, wie Menschen mit annähernd 2 m Körpergröße in einer ‚Spreizhosen-Haltung‘ überhaupt so lange sitzen können!
Wir sitzen nicht zusammen, da wir keine Plätze reserviert haben. Nicht so dramatisch, so erweitere ich meine Komfortzone gleich um ein weiteres Stück, mit fremden Menschen evtl. zu kommunizieren. Auch etwas, dass ich trotz meiner 51 Jahre nicht wirklich gut drauf hatte. Wenn’s euch wundert… ich kann zwar reden und ich kann auch schreiben, aber meine Hemmschwelle, Fremde anzusprechen, war bei mir zu der Zeit sehr hoch!
Nach dem ganzen Blabla vor dem Start heben wir endlich ab und ich entspanne mich langsam in die Flugzeit von 11 Stunden, die jetzt vor mir liegt. Ich bin mental gut vorbereitet, wobei ich noch gar nicht so richtig weiß, worauf ich mich so freue! Eine wunderschöne Aufregung ist in mir und ich genieße doch tatsächlich den Flug, nutze meine ganzen tollen Werkzeuge, die ich in vielen Seminaren gelernt habe und die mir schon in so vielen Situationen sehr gute Dienste geleistet haben. Damit gelingt es mir tatsächlich für 5 Stunden am Stück zu schlafen. Der Flug vergeht wie im Flug und ich wundere mich, dass es alles so easy war.
Leider kann ich vom Landeanflug auf Kapstadt nur wenig sehen, aber was ich sehe, ist schon ergreifend.

Ankommen in Kapstadt

Kapstadts Flughafen ist klein und so haben wir nach der Landung in kurzer Zeit unsere ‚Halteposition‘ erreicht. Gurte los und raus!!! Wir schieben uns aus dem Flugzeug und die ersten Sonnenstrahlen und das Licht Südafrikas strahlt mich an und heißt mich willkommen. Ich bin aufgeregt… wir müssen noch durch den Zoll. Mein Englisch ist mäßig bis schlecht, schließlich habe ich es seit der Schulzeit vor 35 Jahren nicht wirklich in Anspruch genommen. Wie gut, dass mein Bruder dabei ist, so kann er mir alles fein übersetzen, was der Herr in Uniform zu mir sagt! Sehr komfortabel!
Wir dürfen gehen und laufen weiter durch den Flughafen, um meinen Koffer vom Kofferband zu holen. Mein Bruder reist inzwischen nur noch mit Handgepäck! Als mein Koffer da ist, ist der erste Weg zum Geldautomaten. Südafrikanische Rand sind das Zahlungsmittel für die nächsten 3 Wochen. Der Automat redet wieder nur Englisch und ich bin sofort am Schwitzen vor lauter Panik, weil ich es nicht verstehe. Ohne Geld ziehe ich ab und lass den nächsten Wartenden nach drei Versuchen vor.
Ach ja, wie gut, dass mein Bruder da ist. Und so schaffe ich es mit seiner Hilfe doch noch Geld von dem Automaten zu bekommen.
Jetzt aber endlich, jetzt gehen wir nach draußen. Es ist ja schon Herbst in Afrika, die Luft ist angenehm warm und es geht ein leichter Wind. Wir betreten beide den Vorplatz der Ankunftshalle und ich bleibe stehen. Während sich mein Bruder um Transportmöglichkeiten zu unserer Unterkunft kümmert, stehe ich einfach nur da und schaue mich um. Die Umgebung dort ist nicht spektakulär und trotzdem kommt in mir gerade ein unbeschreibliches Gefühl hoch, eine Vibration, … ich weiß nicht warum, aber ich fange an zu weinen… Ich kenne dieses Land nicht und ich kenne diese Stadt nicht, aber ich bin berührt von dieser Energie…

Kapstadt war … wie zu Hause ankommen!

Kapstadt, ich bin da! Danke für deine Begrüßung! Auf geht’s in mein Abenteuer!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*